Walliser Maler · Schule von Savièse

Raphy
Dallèves

Sion, 1878–1940

Ein moderner Primitiver: der Zeitgenosse des Kubismus, der das Quattrocento wählte, um die bäuerliche Welt des Val d'Hérens zu malen.

Gründungsbestand des Kunstmuseums Wallis. Mitglied der Société nationale des Beaux-Arts, Paris, 1913. Katalogisiert von Frédéric Elsig, 1999.

Raphy Dallèves, Évolénarde im roten Camail, ältere Frau in Walliser Tracht, Tempera
21 · Évolénarde im roten Camail · Tempera · 70 × 58 cm · Privatsammlung, Sion

Die These

Auf die Moderne antworten, indem man hinter sie zurückgreift.

Raphy Dallèves (1878-1940) ist der eigenwilligste der Walliser Maler der Schule von Savièse. In Paris ausgebildet (Académie Julian, dann École des Beaux-Arts, 1899-1905) und geprägt von den italienischen Sälen des Louvre, entwickelte er zwischen 1901 und 1905 eine „primitivistische" Bildsprache, die die lineare Eleganz des Jugendstils mit der Tempera der Quattrocento-Primitiven verband. Seine alten Spinnerinnen, seine Frauen aus Évolène in Tracht, seine Ziegen in der Dämmerung sind keine Folklore: sie sind, mit Buzzinis Worten, „das Memorial und das Wappenbuch einer Volksart".

„Ein moderner Primitiver." Frédéric Elsig, 1999

1903

Transparenz

Eine erste klare, transparente Manier, aus dem Aquarell entwickelt.

1913

Blattgold

Härtere Linie, Gold und Anklänge an die Primitiven: Botticelli, Fra Angelico.

1918

Monumentalität

Vereinfachung der Volumen, Weite, Ruhe der grossen Kompositionen.

1930

Holbein

Eine strengere, helvetischere Manier: Holbein ersetzt Italien.

Galerie

Ausgewählte Werke

17 · Sur l'alpage
Tempera auf Eternit · 120 × 150 cm · Privatsammlung, Sion
3 · Le Lavoir d'Hérémence
1905 · Tempera auf Leinwand · 155 × 192 cm · Kunstmuseum Wallis
18 · L'Homme à l'écuelle
1910 · Tempera auf Karton · 76,5 × 95 cm · Kunstmuseum Wallis
27 · Deux Évolénardes aux pots de lait
Tempera auf Karton · 74 × 55 cm · Privatsammlung, Zürich
37 · Après la messe
1920 · Tempera · 100 × 90 cm · Stadt Sion
40 · Nativité
1924 · Tempera auf Eternit · 115 × 165 cm · Privatsammlung, Binningen

Reproduktionen nach dem Katalog von Frédéric Elsig (1999). Werke gemeinfrei (der Künstler starb 1940). Hochauflösende Fotografien der Originale werden diese Galerie ergänzen. Zum vollständigen Werkverzeichnis (61 Werke) →

Der europäische Kontext

Nicht „ein Walliser Maler". Ein Schweizer Knoten in einer europäischen Geschichte.

Die bewusste Rückkehr zu den „Primitiven" durchzieht ganz Europa um die Jahrhundertwende. Dallèves gehört ganz dazu.

  • Joseph Southall · England: die Wiederbelebung der Tempera, um 1890, im Gefolge der Präraffaeliten.
  • Botticelli · Fra Angelico · das wiederentdeckte Quattrocento, Vorbild linearer und geistiger Klarheit.
  • Giovanni Segantini · die alpine Pastorale als Erhabenes; die Ziegen von 1913 antworten ihm.
  • Ferdinand Hodler · Die prägende Leitfigur der Schweizer Malerei jener Zeit; Dallèves gehört zur Generation, die in seinem Gefolge arbeitet.
  • Grant Wood · der Regionalismus des amerikanischen Mittleren Westens, zeitgleich und parallel.
  • Hans Holbein · das helvetische Vorbild der letzten Jahre.

Leben

Lebensdaten

Raphy Dallèves, autoportrait / self-portrait, tempera
Selbstbildnis · TemperaWerk gemeinfrei
Raphy Dallèves bei der Arbeit an der Staffelei
bei der Arbeit an der StaffeleiFamilienarchiv · Quelle wird überprüft
Raphy Dallèves Fotografisches Porträt
Fotografisches PorträtFamilienarchiv · Quelle wird überprüft
1878
Geboren am 26. Januar in Sion, drittes Kind von Raphaël Dallèves, Staatskanzler.
1899
Paris: Académie Julian, dann École des Beaux-Arts (bis 1905).
1905
Mit Ernest Biéler Mitbegründer der Société des traditions valaisannes. Ausstellung in München.
1913
Mitglied der Société nationale des Beaux-Arts in Paris. Stellt international aus (München, Berlin, Rom).
1916
Ausstellung im Helmhaus Zürich („Walliser Maler").
1937
Mitglied der kantonalen Denkmalpflegekommission.
1940
Stirbt am 6. Juli in Sion; vermacht den grössten Teil seines Werks der Stadt Sion und dem Kanton Wallis.

Das Vermächtnis

Das Museum, das er sich erträumte, wurde nie gebaut.

Bei seinem Tod 1940 vermachte Dallèves den Grossteil seines Werks (rund zweihundert Stücke) Sion und dem Wallis. Dieser Bestand wurde zum Kern des 1947 eröffneten Kunstmuseums von Sion. Danach geriet der Maler, mit Elsigs Worten, in „relative Vergessenheit". 2028 jährt sich seine Geburt zum 150. Mal. Der Moment, zu vollenden, was begonnen wurde.

Einem modernen Primitiven das Licht zurückgeben, das er dem Wallis schenkte.

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Auf 2028 hin

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Presse & Ressourcen

Für Institutionen und Presse

Pressemappe, Datenblatt, hochauflösende Bilder und die Referenzmonografie stehen zur Verfügung.

Die Referenz

Un primitif moderne

Das Standardwerk bleibt die Monografie von Frédéric Elsig, Raphy Dallèves. Un primitif moderne (Éditions du Verseau, Denges, 1999), die den Katalog und die hier übernommene Lesart in vier Phasen begründet. Sie knüpft an die erste Monografie von Louis Buzzini (1941) an.